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Als die Avantgarde nach Altena kam
(eine fast vergessene Altenaer Musikgeschichte)

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“Der Bürger hier und wie in anderen Städten indentifiziert sich in der Mehrheit ja nicht mit dieser Musik. Er steht dem aber in wachsender positiver Haltung gegenüber” Dr. Jürgen Gramke, ehemaliger Stadtdirektor in einem Fernsehinterview in Hier und Heute vom 27.06.1972

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Die Gründung der Aktionsgruppe jazz 69
(Die auf dieser Seite verwendeten Reprographien von Tickets, Pressemitteilungen und Briefen aus der Sammlung von Manfred Dohrmann habe ich von Dr. Dietmar Simon erhalten und werden mit freundlicher Genehmigung von Michael Nürenberg veröffentlicht)
 

Altena, ein kleines Städtchen am nordwestlichen Rande des Sauerlandes nahe Lüdenscheid und Hagen, ist vielen durch die mitten im Ort auf einem Berg liegenden Burg bekannt. Auf dieser Burg wurde vor über 100 Jahren (1909) die erste Jugendherberge der Welt eingerichtet. Aus dieser Idee Richard Schirrmanns hat sich das weltumspannende Jugendherbergswerk entwickelt. Ein nicht unerheblicher Beitrag der Kulturgeschichte. In den Siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts war Altena aber auch als eine besondere Kulturstadt bekannt, weil sie den New Jazz förderte. Eine Musikrichtung, die damals sehr populär, aber auch sehr umstritten war und auch heute noch ist. Der New Jazz brach sämtliche Hörgewohnheiten und sprengte Grenzen. Die freie Improvisation war radikal und konsequent. Verantwortlich für diese musikalische Revolution in der Sauerländer Provinz war die ‘Aktion Jazz´69, ein Zusammenschluss interessierter Enthusiasten, welche in der Region Jazzkonzerte veranstaltete.

Die Aktion jazz69 wurde am 4. Dezember 1968 als Arbeitsgemeinschaft dreier Jazzenthusiasten aus Altena, Lüdenscheid und Menden gegründet. Heinz Bonsack, Zahnarzt in Altena, Gerhard Conrad, Herausgeber der Zeitschrift ‘der jazzfreund’ aus Menden und der sehr umtriebige Stadtjugendpfleger Gottfried ‘Gotti’ Schumann aus Lüdenscheid waren die Urheber. Andere Beteiligte waren der “Club für Junge Leute”, der Jazzclub “Studio 19” und die Volkshochschule. In Punkt e) der ‘Gründungsurkunde’ ist schon das Ziel gesetzt, Musikerkontakte zum ‘Ostblock’ (so hieß das damals) zu fördern und zu pflegen. Das wurde ab 1971 mit den Auftritten von Thomasz Stanko, Michail Urbaniak, Zbigniew Namyslowski und vielen anderen umgesetzt. 1969-12-06 Dave Pike_Schnitt

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Reprographien: Michael Nürenberg

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Die Neugliederung der Aktionsgruppe ‘jazz 69’ - die ‘Aktion Jazz69 Altena’ entsteht

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Bereits im April 1969 wurde sich neu orientiert. Die VHS Altena erwies sich als ein guter Partner, während Gotti Schumann genug in der Jugendszene der Stadt Lüdenscheid zu tun hatte. Heinz Bonsack erklärte sich zum Hauptverantwortlichen, erstmalig taucht Karlheinz Klüter als Kontaktmann nach Iserlohn auf.

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Heinz Bonsack (Foto aus: Mittlere Brücke)

In den ersten Monaten wurde schon einiges bewegt: Auftritte der Breakliners am 11. und 12. Januar, der Sea Town Seven am 19. März und Mr. Acker Bilk am 11 März wurden organisiert. Am 9. März gastierte das Dave Pike Set in Altena.
 

Reprographie: Michael Nürenberg

 

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Wegweisende Konzerte in Altena 1969 - Die Xhol Caravan

In welche Richtung es in Altena allerdings weitergehen sollte, zeigten die Konzerte, die eher dem New Jazz zuzuordnen sind. Hier leistete Heinz Bonsack ganze Arbeit. Das Konzert der Xhol Caravan, die heute auch als Vertreter des Krautrocks zählt und diesen spielte, bevor der Begriff erfunden wurde, war wegweisend und wird heute in Neuauflage als CD verkauft. Die Xhol waren sogar zweimal da, 1969 und 1970. Beide Konzerte erschienen (zunächst mit kurzen Ausschnitten) auf der Remembering ‘69 und Remembering ‘70 und die fast kompletten Konzerte wurden 2006 auf CD wiederveröffentlicht.

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1969-04-26 Soul Caravan Karte
Die Gestaltung der Eintrittskarten (Reprographie: Michael Nürenberg) war noch etwas einfach gehalten, die Karten des Jahres 1970 waren bereits aufwändiger gestaltet. Eventuell hat sich da schon der Einfluss von Karlheinz Klüter, der im Hauptberuf Grafiker war, bemerkbar gemacht.
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In der Presse fand das Ereignis grossen Widerhall.

Reprographie: Michael Nürenberg

 

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The New Jazz Star Trio und Jochim Kühn - Jazz Avantgarde in Nachrodt und Altena

Drei Topmusiker verbanden sich zum ‘the new jazz star trio’: Manfred Schoof, Peter Trunk und Cees See. Die Aktion Jazz’69 Altena gab zur Presseinformation auch gleich eine Erklärung zum Thema Free Jazz ab, welche sie bei Joachim Ernst Behrendt entliehen hat. Hier wird die Intensität beschworen. Begriffe wie Ekstase, Religiosität und ‘Kult der Intensität’ wurden benutzt, um diese Musik einigermaßen fassbar zu machen. Der New Jazz war damit der eigentliche Vorläufer des Krautrock, der diese Begriffe ebenso für sich vereinnahmte.

Während die Presse beim ‘new jazz star trio’ noch die Virtuosität der Musiker zu würdigen wusste, hat sowohl das Publikum als auch die Presse bei der ‘Free Jazz Group Joachim Kühn’ verhalten reagiert. Allzu gewagt erschien das kompromisslose Konzept der Gruppe. Das Prinzip war: auf die Bühne gehen und spielen, was einem gerade einfällt. Auch wenn hier professionelle Musiker am Werk waren, mischten sich in den Applaus einige Buhrufe. Das ist gut auf der ‘Remembering ‘69’ zu hören.

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Reprographie: Michael Nürenberg

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Das Peter Trunk Sextett - legendärer Jazz Bassist mit eigener Formation in Iserlohn

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Jeder kennt die tragische Geschichte von Peter Trunk. Er war ein legendärer Bassist, einer der besten der Welt, der auf vielen Tonträgern der damals angesagtesten Jazzinterpreten zu hören war. Unter anderem bei Dusko Goykovich, Albert Mangelsdorff, Stan Getz, Ben Webster, Peter Thomas und vielen anderen. Sein tragischer Tod im Jahre 1973 war einschneidend. Und das, nachdem er mit seiner eigenen Formation, dem Sextett, eine seiner ersten Platten gemacht hat. Aber bereits 1969 trat er mit diesem Sextett in Iserlohn auf.

Originalplakat, Design Karlheinz Klüter. (Sammlung Sawinski)

 

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Reaktionen auf die Aktivitäten der Aktion Jazz ‘69

Die Platte “remembering sixty-nine ein jahr jazz altena - iserlohn”

Die Jugend war begeistert, wie ein Artikel der ‘Mittleren Brücke’ zeigt:

“wie schon aus den letzten Seiten hervorgeht, hat Altena während der letzten 10 Monate, zumindest auf dem Gebiet des Jazz, gewaltige kulturelle Fortschritte gemacht. Dafür ist vor allen Dingen der ‘Aktion Jazz’69’, Herrn Bonsack und seinen Mitarbeitern, aber auch der VHS Altena, dem Städtischen Kulturamt und dem VBW Nachrodt zu danken. Vor allen Dingen ist es erfreulich zu sehen, dass hier nicht nur einfach Opas Dixieland und Vaters Swing gehuldigt wird, sondern vor allen Dingen auch dem Free und Modern Jazz, also die Musik der 60er und wohl auch schon der 70er Jahre dem Publikum näher gebracht wird.” Aus der “Mittleren Brücke” (Schülerzeitung des Burggymnasiums Altena) , Nr. 20, Dezember 1969

1969 fanden einige hochkarätige Konzerte in und um Altena statt,

09. März 1969: Dave Pike Set, Nachrodt
26. April 1969:  Xhol Caravan, Altena (Konzert wiederveröffentlicht auf CD)
07. Juni 1969: Boogie Woogie Company, Nachrodt
11. Oktober 1969 : Albert Mangelsdorff Quartett, Altena
26. Oktober 1969: Peter Trunk Sextett, Iserlohn
02. November 1969: Free Jazz Group Joachim Kühn, Altena
15. November 1969: Sidewalk Hot Jazz Orchestra, Iserlohn
22. November 1969: New Jazz Star Trio mit Manfred Schoof, Peter Trunk, Cees See, Nachrodt
06. Dezember 1969: Dave Pike Set, Altena
07. Dezember 1969: Walter Strerath Trio/ Quartet/ Quintet, Iserlohn

Hier wurde einiges geleistet:
- ein Konzertprogramm das in der Vielzahl und der Auswahl der Musiker selbst heute noch einer mittleren Großstadt gut zu Gesicht stände
- der Focus auf die zu dieser Zeit modernste Spielweise dieser Musik, dem Free- und Modern Jazz.

 

Karlheinz Klüter, der Kompagnon von Heinz Bonsack aus Iserlohn, eröffnete die Möglichkeiten zur Veröffentlichung von Schallplatten. Und so hat man das Jahr 1969 in Ausschnitten auf Vinyl gepresst. Die Platte ‘Remembering ‘69’ erschien. Auf dem Cover findet man eine Zeichnung des damals fünfjährigen Sohnes von Karlheinz Klüter, die irgendwie gut zur Musik passte.

Die Platte wurde erst produziert, nachdem 100 Vorbestellungen vorlagen. Man konnte sie zum Preis von 19 DM erwerben. Angesichts der geringen und einmaligen Auflage wird verständlich, dass man sie heute nur noch schwer bekommt. Viel Glück muss man haben und knauserig darf man auch nicht sein. Die Konkurrenz ist groß, interessanterweise hat man in Japan großes Interesse an den frühen JG Records. Vor allem wegen der New Jazz Aufnahmen auf der Platte (The Three, Joachim Kühn, Xhol Caravan) (siehe dazu auch Record Characteristics JG04/05

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Und weiter geht es - auch 1970 mit der ‘Aktion Jazz ‘69 Altena’

Im Jahr 1970 lief die einmal angeschmissene ‘Jazzmaschine’ in vollen Touren mit der Durchführung von Einzelkonzerten weiter. Aber 1970 war auch das Jahr des ersten Internationalen New Jazz Meetings, welches in den folgenden Jahren bis 1974 für Aufsehen sorgte. Altena war damit auf diesem Gebiet bahnbrechend und mit den Meetings Vorreiter für heute so berühmte Veranstaltungen wie den Jazzfestivals in Moers und anderswo.

Im Januar gastierte John Surman mit seinem Trio in Altena(Reprographie: Michael Nürenberg):
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Von diesem Konzert gibt es eine Platte, die auch heute noch sehr gesucht ist und die bisher nicht auf CD wiederveröffentlicht wurde.
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Auch Wolfgang Dauner war zu einem Einzelkonzert in Altena. Am 10. Januar konnte man ihn mit seinem Trio - Eberhard Weber am Bass und Fred Braceful am Schlagzeug - bewundern. Das New Jazz Trio mit Manfred Schoof gastierte am 1. Mai in Iserlohn. Alle drei Gruppen waren dann auch beim ersten New Jazz Meeting auf der Besetzungsliste.

Brian Auger gab sich die Ehre. Brian Auger ist in den sechziger Jahren durch die Zusammenarbeit mit Julie Driscoll bekannt geworden. Hits wie This Wheel’s on Fire, Road To Cairo, Season of the Witch stammen aus dieser Zeit. (Reprographien: Michael Nürenberg)
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Und auch die Xhol Caravan waren wieder dabei:
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Chick Corea Quartet

Ein Jazz Weltstar debüttiert in der Provinz

1970 gelang auch ein echter Coup: Der Keyboarder von Miles Davis, Chick Corea konnte mit seinem Quartet verpflichtet werden. Das war das erste Konzert in Europa des heutigen Jazz-Superstars. In einem Brief vom Oktober 1970 kündigte Heinz Bonsack dieses Ereignis an: (Reprographie: Michael Nürenberg
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Dieses Konzert wurde später auf einer Schallplatte veröffentlicht, allerdings nur in Japan:
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Circle 1, Live in Germany. Iserlohn Parktheater 28.11.1970

Ankündigung des Konzertes: Originalplakat, Design Karlheinz Klüter. (Sammlung Sawinski)
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Die Platte ‘remembering ‘70’

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Eine weitere Platte, welche die Aktivitäten der Aktion Jazz69 dokumentierte, war die “remembering´70”. Diese wurde zusammen mit dem Jazzclub Domicil in Dortmund veröffentlicht. Auf der Platte sind Konzertausschnitte aus Altena, Iserlohn und Dortmund zu hören. Weitere Informationen unter Record Characteristics

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Side 1: Four City Seven and One; Blackbirds of Paradise; Sidewalk Hot Jazz Orchestra; Niels Unbehagen Quartett;
Side 2: Dave Pike Set; Rüdiger Schulz Quartett; Jan Huydts Trio und Theo Lovendie
Side 3: Wolfgang Dauner Trio; Alexander v. Schlippenbach Trio; John Surmann Trio + Alan Skidmore;
Side 4: Champion Jack Dupree; Xhol Caravan mit ‘Up and Down’. (Das Stück wurde nicht auf der GOD CD wiederveröffentlicht, gibt es also nur hier auf dieser Platte)

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Die Meetings
Nach der Veranstaltung von Einzelkonzerten in und um Altena (dokumentiert in den JG Platten Remembering `69 und Remembering ´70), lag die Organisation eines Festivals in einem solch einzigartigen Ambiente wie einer mittelalterlichen Burg nahe. Karlheinz Klüter schrieb auf seiner Homepage etwas zur Geschichte des Festivals:
http://www.jazzphotography.us/altena.html Die Homepage ist mittlerweile nicht mehr erreichbar.

Ich beschreibe die Jazzfestivals aus persönlicher Sichtweise (die Festivals ‘72 , ˜73 und ˜74 habe ich selbst besucht) und anhand der mir vorliegenden Unterlagen (Zeitungsberichte, Eintrittskarten, Flyer, Jazz Podium, Schallplatten). Wenn jemand Ergänzungen hat (Fotos, Artikel etc.), würde ich mich über eine Mail freuen.

Das erste Festival 1970 wurde im Altenaer Kreisblatt am 23.06.1970 mit grosser Vorfreude angekündigt. Anscheinend konnte man selbst kaum glauben, was sich in Altena ereignen sollte:

“TOP-Bands auf der Burg Altena. Dickste Jazz-Schaffe des Jahres”

Es machte sich eine gewisse Aufbruchstimmung bemerkbar. Für die nächsten vier Jahre sollte sich in Altena Unglaubliches abspielen. Man schaffte es, die echte Avantgarde der Jazz Musik nach Altena zu holen. Auch wenn nicht jeder Altenaer Verständnis für diese Art Musik zeigte, strömten die Fans auf die Burg. In den nächsten fünf Sommern jagte ein Höhepunkt den nächsten. Die ersten beiden Festivals waren eintägig, während die nächsten zwei Programm für zwei Tage boten, 1974 gab es wieder ein eintägiges Festival mit einem Symposium. Wachsende Aufmerksamkeit von Presse, Funk und Fernsehen begleitete die Festivals und bald sprach man von Altena als der heimlichen Hauptstadt des New Jazz. Das ging auch am normalen Bürger nicht spurlos vorbei und man registrierte das bunte Treiben wohlwollend. Die Jugendlichen des Ortes wurden mit freier Musik infiziert, was meinen Musikgeschmack nachhaltig bis heute geprägt hat. Gruppennamen wie Volker Kriegel, Brotherhood of Breath, Brötzmann, Dave Pike waren irgendwie normal, so wie andernorts Beatles, Stones und Mungo Jerry. Erst später wurde einem klar, dass man es in Altena eher mit der Avantgarde als dem Mainstream zu tun hatte. Doch auf dem Höhepunkt der Festivals zeichnete sich auch schon deren Ende ab:

“Nachdem sich dieses schon zur Institution gewordene Free Jazz Meeting positiv für das Image der Stadt Altena ausgewirkt hat - Funk und Fernsehen waren wieder dabei und ein Seminar für Musiklehrer lief parallel -, ist es unverständlich, wenn die Stadtväter im nächsten Jahr kein Festival mehr auf der Burg durchführen wollen, sondern allenfalls ein Musikergespräch mit Kritikern und Vertretern des öffentlichen Lebens erwägen. Hatte schon im letzten Jahr Heinz Bonsack die Fahnen gestrichen, und in diesem Jahr Karlheinz Klüter die Arbeit allein getan, so muss man fast annehmen, dass da auf der Burg Altena ein die Initiative ausmerzender Schwelbrand um sich greift. Schade - denn es wäre schön, jedes Jahr dort Jazz zu hören”. (Jazz Podium 10/1973, Seite 23)

1974 gab es demnach am 30. Juni eine Art abgespecktes Festival mit Auftritten nicht auf der Burg (wegen Regen), sondern in der Turnhalle des Pragpaul, aber 1975 kam der endgültige Zusammenbruch. Eigentlich war für den 25. - 29. Juni ein New Jazz Meeting unter Beteiligung der Gruppen OM, Joe Haider Quartet, Rüdiger Carl - Irene Schweitzer Gruppe, Association P.C., Albert Mangelsdorff Quartett, Willem Breuker Group, Virgo, Gust Jannsens, Eddie Marron- Peter Giger Duo, Hans Reichel, Bennink-Mengelberg Duo geplant; also ein sehr ehrgeiziges Programm. Leider kam es anders:

“Das New Jazz Meeting fällt aus. Schleppende Kooperation mit UDJ (Union Deutscher Jazzmusiker). Der Verzicht dieses Jahr soll keineswegs bedeuten, dass damit das Meeting für immer abgeschafft ist” Altenaer Kreisblatt 27.05.1975

Bedeutete es aber dann doch, zumindest für Festivals in dieser Größenordnung und internationaler Aufmerksamkeit. Karlheinz Klüter machte stattdessen in Balve Furore. Heinz Bonsack blieb in Altena aktiv und organisierte weiter Konzerte, unter anderem mit Gruppen wie dem Frank-Wright Quartett, der Dieter Bihlmeier Selektion, dem Willem-Breuker Kollektief. Auch neue Formen der kulturellen Zusammenarbeit wurden gesucht. (folgende Fotos von mir - Plakate stammen aus der Sammlung des Altenaer Stadtarchivs)

 

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Im Jazz Podium 11/1981 begrüßte Heinz Bonsack die Leser auf Seite 2 mit einem

“Wieder New Jazz In Altena - Altena ist zurück auf der Scene und grüßt alle New Jazz Freunde”

Konzerte mit Gruppen wie Shannon Jackson & the Decoding Society, dem Voss-Ignatzek Duo sowie dem Jan Akkermann Trio zeigten, dass es noch eine Menge Potenzial in Altena gab. Auch heute werden noch Jazzkonzerte in Altena organisiert. Etwas von dem Geist der musikalischen Aufbruchjahre ist wohl geblieben.

Mit den Burgrock Veranstaltungen und dem ‘Castle goes Celtic’ hatte man zwischenzeitlich die Burg musikalisch wiederbelebt. 

Die Stadt erfindet sich mit dem Stadtentwicklungsprogramm Altena 2015 ebenfalls gerade neu und versucht, die Bausünden der 70er Jahre (Stapelcenter etc.) wieder in den Griff zu bekommen. Hoffen wir, dass sich das Konzept so umsetzen lässt und die Kultur, am liebsten natürlich der Jazz, wieder einen Platz bekommen wird.

Altena hatte den Initiatoren der Meetings eine Menge zu verdanken. Auch heute noch hallt der Ruf Altenas als heimliche Hauptstadt des Jazz weltweit nach.

Die Altenaer Festivals 1970 bis 1974 haben die Geschichte dieser Musik entscheidend beeinflusst, nur ist das in Altena kaum noch jemandem bewusst. Es gibt aber weltweit eine Menge Leute, die mit dem Namen Altena neben Draht und der ersten Jugendherberge auch den New Jazz assoziieren. Anfang der 70er Jahre gab es noch nicht viele Festivals, Altena war insofern in Vielem ein Vorreiter. Hätte sich das Festival etablieren können, stünde man in Altena heute noch jährlich im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Altena war schließlich das Vorbild für viele Festivals die danach folgten, wie zum Beispiel Moers.

Bei meinen Recherchen zu diesem Thema ist mir aufgefallen, dass in den offiziellen Publikationen der Stadt Altena die Jazzfestivals so gut wie nie erwähnt werden. Eher findet man Hinweise auf die Burgfestspiele in den Zwanziger Jahren. Das ist für mich als ehemaliger Altenaer Bürger und Jazzfan unverständlich und mein Wunsch, das zu ändern ist groß.

 

Ob noch einmal solche Menschen wie Heinz Bonsack, Karlheinz Klüter und Werner Panke in Altena Musikgeschichte schreiben werden? Wohl nicht, es wäre aber schön, wenn Altena diesem Kapitel seiner Geschichte die Würdigung zukommen ließe, die ihm gebührt.

 

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